Captain Cartridge – das ist sein Leben

Benjamin Fitzgerald Cartridge erblickte 1954 in Socorro (New Mexico, USA) das Licht der Welt. Seine Eltern sind unbekannt, aber einem Gerücht nach soll seine Mutter eine deutsche Bergsteigerin gewesen sein, die bildhübsch war. Von seinem Vater ist nur überliefert, dass er nachts oft das Wort „Cartridge“ gerufen haben soll. So bekommt Benjamin Fitzgerald Cartridge seinen Namen.

Von seinem Vater ist nur überliefert, dass er nachts oft das Wort „Cartridge“ gerufen haben soll.

Socorro -TexasAufgewachsen in einem Waisenhaus, treibt es den von Fernweh geplagten Jungen schon früh zur Armee. Nach einer kurzen Grundausbildung, die der begabte 18-jährige in Windeseile durchschreitet, wird er 1972 Aufklärungsflieger bei der Air Force in Vietnam und steigt schnell auf in den Rang eines Captain. Sein Flugzeug, eine umgebaute Bell & Howell (Bild links), ist bestückt mit 12 Super8 Kameras, die Tag und Nacht Panoramaaufnahmen von Vietkongstellungen schießen. Schon in den ersten Monaten wird Cartridge mit Auszeichnungen überhäuft: so gewinnt er z.B. beim Weiterstädter Filmfest den goldenen Filmhirsch.

Schon in den ersten Monaten wird Cartridge mit Auszeichnungen überhäuft

Abschuss

Im Juli 1973 verlässt ihn das Glück. Seine Maschine wird bei einem Aufklärungsflug über Da Nang abgeschossen. Nur mit Hilfe einiger herbei gelaufener Reisbauern kann er der Flammenhölle seines komplett zerstörten Flugzeugs entkommen. Durch schwere Verbrennungen in Gesicht und Hoden ist er so unkenntlich, dass die Schergen des Vietkong ihn nicht als Amerikaner identifizieren können. So kommt er ein zweites Mal mit seinem Leben davon. Jedoch nicht, ohne Tribut zu zollen: er erleidet eine schwere Amnesie, kann sich an nichts mehr erinnern. Schließlich glaubt er selbst, dass er ein Vietnamese sei. Auch seine Unfähigkeit, fremde Sprachen zu lernen und sein unbändiger Appetit auf runde Hackfleischscheiben in einem schwabbeligen Brötchen mit Gurken, Käse und Tomatensoße machen ihn nicht misstrauisch.

Über das „Austauschprogramm sozialistischer Staaten für hässliche Menschen“ kommt Cartridge 1976 in die Deutsche Demokratische Republik.

Über das „Austauschprogramm sozialistischer Staaten für hässliche Menschen“ kommt Cartridge, der sich nun Jong Ill nennt, 1976 in die Deutsche Demokratische Republik. Dort bietet man ihm eine kosmetisch-plastische Operation an, die ihm ein neues Gesicht und Hoden schenken soll. Als Gegenleistung fordert der SED-Staat Stillschweigen über die OP, in der auch neue und unerprobte Techniken zum Einsatz kommen sollen. Jong Ill willigt ein und bekommt neben einem wunderschönen, markanten Männergesicht ein kryo-kybernetisches Stahlskelett eingepflanzt. Als später diese Tatsache ans Licht der Öffentlichkeit geriet, diente dies als Vorlage zu den Terminator-Filmen. Nach seiner Genesung und völligen Wiederherstellung beginnt für Jong Ill wieder der Alltag. Er tritt in Wolfen eine Ausbildung als Fotochemiker an und verbringt glückliche Jahre zwischen Emulsionen, Filmspulen und Entwicklungsbädern. Seine wieder entdeckte Liebe führt ihn soweit, dass er in seiner Freizeit zu Hause eine E6-Entwicklungsmaschine selber baut, die in einer Fachzeitschrift für Schmalfilmer ausführliche Erwähnung findet. 1990. Die Wende. Der sozialistische Staat ist Geschichte, Deutschland wieder vereint.

1990. Die Wende. Der sozialistische Staat ist Geschichte, Deutschland wieder vereint.

Die ehemals florierenden Betriebe der DDR werden dichtgemacht. Jong Ill verliert seine Arbeit, fällt durch das soziale Netz und hängt praktisch nur noch betrunken auf der Straße herum. Nun verkörpert er genau das Feindbild der verwirrten Wolfener Dorfjugend, die sich durch die veränderten politischen Verhältnisse die Schädel rasiert und auf die extrem rechte Seite geschlagen haben. Glücklicherweise führen die heftigen Einschläge von Baseball-Schlägern auf Jong Ills Kopfbereich dank des kryo-kybernetisches Stahlskeletts kaum zu Verletzungen – im Gegenteil: kurz nachdem die Neonazis müde sind und nach Hause gehen, gewinnt er die Erinnerung an sein früheres Leben zurück. Jetzt weiß er wieder, dass die schwabbeligen Hackfleischbrötchen „Hamburger“ genannt werden.

Captain Cartridge ist einer der letzten wahren Helden dieser Welt!

Von nun an nennt er sich wieder Captain Cartridge und fasst neuen Lebensmut. Er beantragt Sozialhilfe und bekommt staatliche Hilfe für den Aufbau einer neuen Existenz. Seine Erfahrungen aus der Zeit beim Militär, die Begegnung mit den Jugendlichen in Wolfen und seine Liebe zur Super8 Kamera verbindet er zu seinem neu gewonnenen Lebenstraum: das Super8 Bootcamp! Seit 1992 säubert Captain Cartridge die Straßen vieler Großstädte von Sozialschmarotzern, Raufbolden und asozialen Elementen und erzieht sie zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft um. Captain Cartridge ist einer der letzten wahren Helden dieser Welt! Er sollte ein Vorbild für alle sein!